Warum gibt es die private Krankenversicherung?

Die Geburtsstunde der privaten Krankenversicherung reicht bis in das Jahr 1883 zurück. Mit dem „Gesetz, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter“ von Otto von Bismarck wurde in Deutschland die Krankenversicherungspflicht für Arbeiter eingeführt. Es handelte sich dabei um eine Pflichtversicherung nur für Arbeiter. Zur Umsetzung wurden die Ortskrankenkassen geschaffen, für die 1884 eingeführte gesetzliche Unfallversicherung die Berufsgenossenschaften. Die Beiträge zur Krankenversicherung teilten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer Quote von 1/3 zu 2/3.

Da die Versicherungspflicht jedoch nur für Arbeiter bestand, stellte sich für andere Berufsgruppen, Beamte und Selbstständige, die Frage nach einem eigenen Versicherungsschutz. Immerhin hatte die Idee einer Krankenversicherung auch für Beamte und Selbstständige einen gewissen Charme.

Die Folge war die Gründung eigener Gesellschaften und Kassen, die allerdings abseits der staatlichen Regulierung eigene Tarif- und Beitragsmodelle entwarfen und zunächst für die jeweilige Berufsgruppe offen stand. Ein Beispiel ist die Debeka für Beamte oder die Inter, die sich auf Handwerker spezialisierte. Dazu kamen regional aktive Anbieter wie die Hallesche. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die privaten Krankenversicherer in der damaligen sowjetischen Besatzungszone verboten. In der heutigen Bundesrepublik fristete die private Krankenversicherung eine Art geduldetes Schattendasein bis zum „zweiten Krankenversicherungsänderungsgesetz“ im Jahr 1970. Mit diesem Gesetz wurde die private Krankenversicherung fest als zweite Schiene in der Gesundheitsversorgung in Deutschland verankert.

Geblieben ist die Versicherungspflicht aus der Zeit Bismarcks, ausgedehnt von Arbeitern auf alle Arbeitnehmer mit einem Einkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze. Geblieben ist auch die einkommensunabhängige Wahlfreiheit für Beamte und Selbstständige zwischen private Krankenversicherung und gesetzlicher Krankenversicherung.

Auch wenn die Existenzberechtigung der privaten Krankenversicherung zugunsten einer sogenannten Bürgerversicherung, der Ersatzkasse für alle, in der letzten Zeit vermehrt infrage gestellt wurde, gibt es zunächst keine Alternative. Musterkalkulationen für die Amortisation einer Arztpraxis besagen, dass zehn Prozent Privatpatienten notwendig sind, damit der Arzt betriebswirtschaftlich sinnvoll arbeiten kann.